Oberflächenersatz ist nicht gleich Oberflächenersatz
Die verallgemeinernde Berichterstattung über „den Oberflächenersatz“ lässt einen zentralen Aspekt außer Acht: In Europa gibt es rund 10 Oberflächenersatz-Modelle von verschiedenen Herstellern in unterschiedlicher Qualität.
Das erste moderne Oberflächenersatz-Modell, ist die BIRMINGHAM HIP RESURFACING (BHR) Prothese von Derek McMinn. Sie ist seit 1997 unverändert verfügbar und kann auf über 100.000 Implantationen weltweit sowie zahlreiche sehr gute klinische Untersuchungen verweisen.
Daneben gibt es aber auch andere Modelle: Manche sind noch nicht lange auf dem Markt, so dass man noch keine Aussage über ihre Haltbarkeit treffen kann. Andere zeigen schlechte klinische Ergebnisse, so dass sie nicht mehr eingesetzt werden und vom Hersteller zurückgezogen werden.
Studien und Langzeitergebnisse
Ein Gelenkersatz, der ewig hält, ist leider noch nicht erfunden worden, auch wenn die Werkstoffe immer besser werden. Moderne Endoprothesen halten heute in der Regel 12-15 Jahre, dann müssen sie oftmals ausgetauscht werden.
Ein neues Implantatmodell muss also mindestens so lange funktionieren wie die bereits bewährten Modelle. Nur: Wie findet man das heraus?
Die medizinische Forschung hält mit vielen einzelnen Studien die Qualität der einzelnen Modelle fest: Indem Patienten nachuntersucht werden, kann man feststellen, für welche Patientengruppe ein Implantat geeignet ist und ob es gute Langzeitergebnisse vorweisen kann.
Darüber hinaus gibt es in Schweden und in Australien so genannte nationale Endoprothesenregister: Dort muss jeder künstliche Gelenkersatz gemeldet werden. Über die Jahre kann man für die verwendeten Implantatmodelle herausfinden, ob sie gut funktionieren, welche Probleme sie bereiten und wie häufig die Implantate wieder ausgebaut werden müssen. In Deutschland wird die Einführung eines solchen sinnvollen Registers noch diskutiert.
Komplikation Schenkelhalsbruch
Keine Operation ist ohne Risiko. Wenn Sie bereits einen Gelenkersatz haben, dann wissen Sie dies aus dem Aufklärungsgespräch mit Ihrem operierenden Arzt. Bei der Kappenversorgung wird jedoch immer wieder behauptet, die Gefahr eines Schenkelhalsbruches sei viel größer als bei einer herkömmlichen Hüftschaftprothese. Auch diese Aussage kann nicht verallgemeinert werden und muss für jedes Modell einzeln betrachtet werden. So haben die beiden Mediziner Shimmin und Back 2005 eine Studie zur Häufigkeit des Schenkelhalsbruchs beim BIRMINGHAM HIP Oberflächenersatz veröffentlicht. Es konnte kein Unterschied zu einem herkömmlichen Hüftgelenkersatz festgestellt werden. Das bedeutet, dass ein Patient, der den Original BHR Oberflächenersatz im Körper hat, kein größeres Risiko für einen Schenkelhalsbruch eingeht, als ein Patient mit einer konventionellen Schaftprothese.
Erhöhte Metall-Ionen-Konzentration?
Eine weitere Behauptung ist, dass die größere Kontaktfläche der Kappe für mehr Metall-Abrieb und damit für eine höhere Metall-Ionen-Konzentration im Körper sorge. Auch hier ist eine Verallgemeinerung nicht sinnvoll, da jedes Modell aus verschiedenen Werkstoffen mit unterschiedlichen Verfahren hergestellt wird. Welche Folgen eine erhöhte Metall-Ionen-Konzentration für den Patienten haben kann, ist noch nicht ausreichend erforscht. Wissenschaftler des McMinn Centers in Birmingham / Großbritannien haben ein Jahr nach ihrer Operation Patienten untersucht, die mit einem herkömmlichen Hüftgelenk oder mit der BHR Kappenprothese versorgt wurden. Sie kontrollierten den Kobalt- und den Chromgehalt (beides Bestandteile des verwendeten Metalls) im Urin der Patienten. Das Ergebnis: Sie stellten keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Versorgungsformen fest.
Krankheitsbild und Routine des Arztes
Die Qualität des Implantats ist nur ein Baustein für eine erfolgreiche Implantation. Ebenso wichtig sind eine behutsame Untersuchung, ob der Oberflächenersatz überhaupt geeignet ist: Osteoporose, starke Deformitäten des Schenkelhalses oder aber große Defekte im Bereich der Hüftpfanne können z.B. gegen einen Oberflächenersatz sprechen.
Die Operationstechnik, mit der die Kappenprothese implantiert wird, ist sehr anspruchsvoll und fordert viel Erfahrung und Routine des Operateurs. Es ist wichtig, dass diese Versorgung in Endoprothetikzentren durchgeführt wird, die eine große Anzahl von Hüftgelenken versorgen und den Oberflächenersatz regelmäßig einsetzen können.
Die Hüfte / Oberflächenersatz
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