Innovationen sorgen für mehr Implantatauswahl
Nur den Gelenkanteil mit einem Kunstgelenk ersetzen, der wirklich zerstört sind: Was logisch klingt, ist eine Errungenschaft der letzten Jahrzehnte.
Wie in anderen Wissenschaftszweigen ging es in den Anfängen der „Endoprothetik“ zunächst um das „Ob“: Ist es überhaupt möglich, ein natürliches Gelenk durch ein künstliches zu ersetzen? Erste Versuche mit Implantaten aus Bakelit oder sogar aus Plexiglas schlugen fehl, bis die heutige Standardversorgung eines kompletten Gelenkersatzes gefunden war: Kobaltchrom- und später auch Titanlegierungen, kombiniert mit Gleitpaarungen aus Spezialkeramik, Kobaltchrom oder speziellen Kunststoffen wurden schließlich zu den bewährten Implantatmaterialien.
Heutzutage geht es längst um das „Wie“: Arthrose, der degenerative Gelenkverschleiß, sieht nicht bei allen Menschen gleich aus. Häufig sind es lokale Schädigungen, die nur einen bestimmten Gelenkanteil betreffen, während das übrige Gelenk noch gesund ist. Warum also das ganze Gelenk ersetzen? Entsprechend arbeitete die medizintechnische Forschung der vergangenen Jahrzehnte vermehrt an „knochensparenden“ Implantaten.
Gerade für jüngere Patienten, die vor dem 60. Lebensjahr ein künstliches Gelenk benötigen, ist das eine gute Nachricht. Eine so früh implantierte Endoprothese soll möglichst viel natürliches Bewegungsgefühl erhalten und die gewohnte Aktivität ermöglichen. Die neuen Implantate und Werkstoffe können diesen steigenden Ansprüchen der Patienten gerecht werden.
Das „Knochen sparen“ erleichtert darüber hinaus eine spätere Revisionsoperation, wenn das Kunstgelenk nach ca. 12 – 15 Jahren gewechselt werden muss: Es ist mehr natürlicherer Knochen vorhanden, um das Wechselimplantat zu verankern.
Therapieoptionen am Knie
Ist lediglich das Gleitlager der Kniescheibe zerstört, kann das JOURNEY PFJ, ein „patellofemoraler“ Gelenkersatz, helfen, während eine „Schlittenprothese“ wie z.B. das ACCCURIS Knieimplantat zum Einsatz kommt, wenn das Knie nur einseitig verschlissen ist.
Eine Kombination aus beiden Implantaten ist die JOURNEY Deuce Prothese, die zwei der drei Kniegelenkanteile ersetzen kann: das Kniescheibengleitlager und den inneren Gelenkanteil am Oberschenkelknochen. Der äußere gesunde Anteil des Kniegelenks und die Kreuzbänder können so bewahrt werden. Für ein natürliches Bewegungsgefühl sind die stabilisierenden Bänder sehr wichtig.
Auch bei einem kompletten Oberflächenersatz gibt es verschiedene Versorgungsmöglichkeiten. Hier sprechen die Ärzte mittlerweile von ‚modularen Prothesenfamilien‘, d.h. es sind komplette Produktlinien wie das SOLUTION Kniesystem, das GENESIS Kniesystem oder das JOURNEY Kniesystem entstanden, die wie in einem Baukasten vom Teilgelenkersatz bis zum kompletten Kniegelenkersatz mit und ohne Kreuzband- oder Kniescheibenersatz alles abdecken. Der Operateur kann sogar noch während des Eingriffs zwischen den Versorgungsformen hin- und herwechseln, falls das Krankheitsbild es erfordert.
Therapieoptionen an der Hüfte
Auch beim Hüftgelenkersatz steht ein großes Spektrum von Materialien und Implantatformen bereit.
Bei Patienten mit guter Knochensubstanz kann ein Hüftoberflächenersatz wie der BIRMINGHAM HIP Oberflächenersatz zum Einsatz kommen, bei dem der Hüftkopf lediglich „überkront“ wird. Sieht man sich den großen Durchmesser des natürlichen Hüftkopfes an, dann sprechen schon alleine biomechanische Überlegungen für den reinen Oberflächenersatz mit einer Metallkappe: Es bleibt nicht nur weitaus mehr natürlicher Oberschenkelknochen erhalten. Der größere Gelenkkopf gibt dem Gelenk auch mehr Stabilität bei gleichzeitig größerem Bewegungsumfang.
Es bedurfte eines Zufalls und einige Jahre intensiver Forschung bis ein Material gefunden wurde, das trotz der größeren Kontaktfläche der Gleitpartner minimalen Abrieb produziert: Lange Zeit war dies ein K.O.-Kriterium für Großkopfprothesen.
1989 machte Derek McMinn, Operateur am Nuffield Hospital Birmingham, bei der Nachuntersuchung von frühen Metall-Prothesen aus den 1950er Jahren eine erstaunliche Entdeckung: Sie wiesen zum Teil eine enorme Haltbarkeit von weit über 20 Jahren auf.
Bei der Nachforschung, aus welchem besonderen Material diese Prothesen hergestellt worden waren, stieß McMinn auf die Künste der metallverarbeitenden Industrie im Großraum Birmingham. Seit 1997 ist der Original Birmingham Hip Oberflächenersatz erhältlich, bis heute in Material und Design unverändert.
Mit mehr als 85.000 Implantationen ist „die McMinn“ Prothese bis heute nicht nur das weltweit am häufigsten implantierte „Resurfacing“. Sie ist auch das am besten dokumentierte. Ein Grund - neben Material, Design und geprüftem OP-Verfahren -, warum die Prothese als erster Hüftoberflächenersatz im Mai 2006 die Zulassung des US-amerikanischen Gesundheitsamtes FDA erhielt.
Mit einer NANOS Kurzschaftprothese wird die Knochensubstanz ebenfalls geschont und gleichzeitig die natürliche Gelenkgeometrie wiederhergestellt. Hier war eine detaillierte Analyse von 565 computertomografischen Datensätzen von Patienten, die jünger als 65 Jahre alt waren, der Ausgangspunkt einer innovativen Entwicklung. Die Anatomie der Patienten wurden anhand dieser Daten sehr genau gesichtet und führten letztendlich zu der besonderen anatomischen Formung des NANOS Schaftes, die für Stabilität und Haltbarkeit sorgt.
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