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Navigation bei Implantationen

Was versteht man unter Navigation beim künstlichen Gelenkersatz?

Navigationssysteme werden in der orthopädischen Chirurgie - insbesondere beim Gelenkersatz immer verbreiteter - mit Hilfe von Computersystemen wird dabei das Ziel verfolgt, die künstlichen Gelenke mit einer höheren Präzision einzusetzen. Erste klinische Einsätze in der Orthopädie liegen bereits über 10 Jahre zurück. Der Entwicklungsfortschritt ist sehr rasant und so haben moderne Systeme bereits einen sehr hohen Entwicklungsgrad erreicht, der einen routinemässigen Einsatz erlaubt. Sie bieten dem Operateur Zusatzinformationen zur optimalen Positionierung der Implantate ohne dabei die Dauer der Operation wesentlich zu verlängern.

Inwieweit unterscheidet sich die Navigation von robotergestützten Systemen?

Ein wichtiger Unterschied: Navigationssysteme sind nicht zu vergleichen mit Robotern, denn die Navigation gibt dem Chirurgen lediglich zusätzliche Informationen "an die Hand" und unterstützt minimal invasives Management. Bei robotergestützten Systemen "operiert" im Prinzip der Roboter, der Operateur hat während der Operation keine Möglichkeit mehr, auf eine veränderte Situation zu reagieren. Bei diesem Verfahren kann sogar eine erhöhte Freilegung von Weichteilen notwendig werden. Das Roboter-Verfahren mit den Industrierobotern wie sie in den letzten Jahren eingesetzt wurden, hat sich innerhalb der Gelenkchirurgie nicht durchgesetzt. In der Zukunft ist es jedoch vorstellbar, dass diese Technologie mit deutlich erhöhtem Miniaturisierungsgrad eine Renaissance erlebt.

Wo liegen die Vorteile der Navigation?

Vorteil eines exakteren Implantatsitzes ist die verbesserte Annäherung an den natürlichen Bewegungsablauf des Gelenkes. Ziel ist es, die anatomischen Achsen herzustellen und eine ausgewogene Balancierung der Bandspannungen zu erreichen. Mit einem präziseren Prothesensitz wird letztendlich eine längere Haltbarkeit des Implantates erwartet. Aus vielen Studien ist schon länger bekannt, dass mit zunehmender Präzision des Implantatsitzes die Lebensdauer steigt.


Die Vorteile von Navigation sind:


  • Erhöhte Präzision während der Operation
  • Optimierte Pfannen- und Schaftpositionierung und reduziertes Risiko von Luxationen ("Auskugeln") und Frührevisionen
  • Kontrollierte Beinlängenbestimmung und reduzierte Beinlängendifferenzen
  • Kleinere Hautschnitte und vor allem schonendere Weichteilbehandlung






Navigation bei Hüft- und Kniegelenksimplantationen

Was macht Navigation so besonders?

Je genauer die Komponenten eines künstlichen Gelenkes in ihrer Position aufeinander abgestimmt sind, umso geringer ist der Verschleiss. Wenige Grad bzw. wenige Millimeter Abweichung von der Idealposition können die Funktion einschränken.

Was ist bei einer Navigations-Operation anders als bei einer konventionellen Gelenkimplantation?
Um dem Computer Informationen über die genaue Position der Knochen und Oberflächen zu geben, werden bei Knieoperationen an Ober- und Unterschenkel (bei Hüftoperationen am Becken und Oberschenkel) Marker befestigt, damit der Computer die "Knochen sehen" kann. Die Befestigung dieser Marker erfolgt mit einen minimalen, ca. 1 cm langen Schnitt durch die Haut. Der erhöhte Aufwand für die Erzielung einer besseren Qualität ist durchschnittlich mit einer OP-Zeit-Verlängerung von 15 Minuten verbunden - gemessen am Vorteil für den Patienten eine Zeit die sich lohnt.

Navigation und minimal invasive Operationstechniken - passt das zusammen?

Navigation und minmale Operationstechnik ergänzen sich in idealer Weise. Der Hauptnachteil der minimal-invasiven Techniken - die eingeschränkte Sicht auf die Anatomie - wird durch die Informationen die das Navigationssystem liefert, mehr als ausgeglichen. Ist die Navigation bei allen Patienten von Vorteil?

Die bisher veröffentlichten Studien belegen, dass eine verbesserte Implantatposition erzielt werden kann. In der Praxis ist es dennoch nicht in jedem Fall sinnvoll, die Navigation einzusetzen. In Standardfällen können von einem erfahrenen Operateur ebenso gute Ergebnisse erzielt werden, ohne die mit der Navigation verbundenen Nachteile in Kauf zu nehmen. So steigt das Infektionsrisiko mit der verlängerten Operationszeit - wenn auch nur in geringem Maße - grundsätzlich an. Auch steigt dieses Risiko durch die zusätzlich benötigten Marker, die durch separate Hautschnitte mit dem Knochen verbunden werden.




Gedruckt am 09.09.2010 um 04:59

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